Mi – 22.06. – Tanger – Tanger Med: 40km

Letzter Tag in Marokko! Unsere Fähre fährt erst um 23 Uhr und die Temperatur um 8 Uhr morgens kündigen wieder einen sehr heißen Tag an. Schade! Auf Grund der Temperaturverhältnisse wagen wir es auch heute nicht das Tierprojekt „Le Sanctuaire de la Faune de Tanger“ 30km von Tanger Richtung Inland zu besuchen. Für alle Tierbegeisterten unter Euch, empfehlenswert!

Aufbruchsstimmung gegen 15 Uhr. Immer noch viel zu warm, doch selbst TWIKE Hund BAYDA kennt mittlerweile die natürliche Klimaanlage des TWIKE:-)

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Wir gehen ein Risiko ein mit dem späten Aufbruch, denn es ist Ramadan und alle Behörden etc. schließen gewöhnlich gegen 15 Uhr. Doch in meinem Inneren bin ich davon überzeugt, dass ein internationaler Hafen 24h/7T geöffnet haben muss. Auch bei meiner Ankunft im letzten November kam die Fähre um 2 Uhr morgens an und es war kein Problem noch die notwendigen Stempel für unsere Zollpapiere zu erhalten.

Wir lassen uns auf dem Weg Zeit und genießen die herrliche Fahrt direkt am Meer entlang. Die Hunde erhielten mehrmals Auslauf und wir deckten uns in den Dörfern mit notwendigem Proviant ein.

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Je näher wir dem Hafengelände kommen, desto unangenehmer wird mein Bauchgefühl. Es handelt sich mal wieder um mehrere Sonderfälle, die wir bei Zoll und Polizei vorzutragen haben.

  1. Polizeikontrolle: Ich habe ein wichtiges DIN A4 Dokument dabei, welches mir eine Verlängerung meines Visas bestätigt. Und nur dieses Dokument erlaubt die Verlängerung, welche in keinem System vorab eingetragen werden konnte.
  2. Zollkontrolle: Ausnahmesituation, das es sich bei den Fahrzeugen nicht um Privatfahrzeuge handelt und ich unbedingt einen Stempel benötige, welcher bestätigt, dass die Fahrzeuge auch wirklich das Land verlassen haben.

Wir nähern uns dem Hafengelände. Erster Schritt: Fährtickets beschaffen.

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Der einfachste Schritt ist geschafft.

Jetzt fängt es bereits an kompliziert zu werden. Mein Begleiter muss durch die normale Polizeikontrolle. Nach der Polizeikontrolle kommt der Zoll, jedoch nur für Privatpersonen, meine Fahrzeuge sollten aber durch den „LKW-Zoll“, der sich mindestens 5 km weiter befindet. Aber einmal durch die Polizeikontrolle geht es direkt zum „normalen“ Zoll, kein Weg zurück. Na ja, letztes Jahr ist es mir gelungen auch dort den gewünschten Ausfuhrstempel zu erhalten, wir versuchen es.

Das erste Hinternis kommt schneller als gedacht: Meine Visaverlängerung (das besagte DINA4 Dokument) ist unauffindbar. Mein Bauchgrummeln wird stärker, ist mir doch bewusst, dass es schon Fälle gab, wo Personen die besagten 1000km nach Agadir zum Ausstellungsort wieder zurückfahren mussten, um sich ein weiteres Papier ausstellen zu lassen…Nach einstündiger Suche gebe ich auf. Ich soll beim zuständigen Polizeichef im Hauptgebäude (wieder mehrere km weiter) vorbeischauen. Kleiner Hoffungsschimmer.

Nun geht es erstmal weiter zum Zoll. Bitte aussteigen! Grummel. Erst sieht es gut aus, doch dann greift der Zollbeamte zum Telefonhörer. Unbedingt notwendig beim „LKW-Zoll“ vorbeizuschauen. Grrr, es ist jetzt 18:30 Uhr. In einer Stunde ist Fastenbrechen und dann essen ALLE Marokkaner und JEDER Schalter wird unbesetzt sein. Kein Problem, die Fähre fährt ja erst um 23 Uhr!!!

Wir bekommen eine Sondererlaubnis, das innere Hafengelände wieder zu verlassen. Mehrere Km weiter befindet sich unser neuer Anlaufpunkt. Mit unseren „Mini-LKWs“ werden wir noch nicht mal reingelassen. Ich steige aus, setze mich bei der Kontrolle mit meinen Dokumenten durch und darf das Gelände betreten. Der Zoll macht mir eindeutig klar, dass nach 17 Uhr niemand mehr am Schalter sich zuständig fühlt und ich morgen nochmal kommen sollte. Daraufhin machte ich darauf aufmerksam, dass der „andere“ Zoll sie ja gerade telefonisch über unser Kommen verständigt hat…und da standen 5 Zollbeamte!!! Niete. Ich kenne diesen Ausdruck bei marokkanischen Beamten. Da kommt man nur noch weiter auf höherer Etage. Nein, der Chef wäre auch erst morgen wieder da. Glatt gelogen!!!

Unsere einzige Möglichkeit ist jetzt wieder zum 1. Zoll mehrere km zurückzukehren. Grrr. Der Polizeischef liegt auf dem Weg und wenn wir uns beeilen schaffen wir Ihn noch vorm Fastenbrechen zu erreichen. Noch 4h bis die Fähre ausläuft, alles gut…hoffentlich!

Nach einiger Zeit finde ich den Polizeichef. Ein junger und dynamischer Mensch. Ich habe ein gutes Gefühl. Ich lege kurz meine 2 Probleme dar. Er meinte, das Zollproblem wäre das kleinere. Ich protestiere, da wenn der Zoll nicht mehr arbeitet, käme ich ja vor morgen nicht mehr weg. Es wird mir klar gemacht, dass hier nicht nur die Polizei 24h arbeitet sondern auch der Zoll. Er sucht seinen Zollfreund in diesem Hauptgelände auf, der ihm das auch nochmal bestätigt. Dann ist Ramadanbrechen. Er läd uns freundlich ein mit ihm zu Essen und das Eis ist gebrochen.

Nach dem Essen gehen wir das größere Problem an. Denn ohne meine DIN A4 Unterlage gibt es keine Ausreise für mich, das lies er sich auch nochmal bestätigen. Keine Ausnahme möglich, auch nicht unter freiwilliger Bezahlung einer Strafe wegen Überschreitung der 90 genehmigten Tage. In diesem Fall müsste es erst am nächsten Tag vor Gericht gehen. Er kommt  mit zum TWIKE, um auch nochmal persönlich alle Schriftstücke durchzugehen. Nachdem er sich überzeugt hat, dass das gesuchte Dokument wirklich nicht vorhanden ist wird, die Polizeistation in Agadir kontaktiert. Das Problem ist, dass nach dem Fastenbrechen alle entweder in der Moschee sind oder bei Familien. Auch hat er den Eindruck, dass diverse zuständigen Polizisten nicht arbeiten wollen. Mehrfach betont er, dass er ja auch am Arbeiten sei. Er braucht dringend eine Bestätigung, dass das besagte Dokument ausgestellt wurde. 20: 30. Noch 2.5h. Ich habe einen Freund beim Militär in Agadir. Militär und Polizei sind verknüpft und verständige diesen parallel. Er teilt mir ebenfalls mit, dass es hoffnungslos wäre, da niemand mehr im Büro wäre, schon gar nicht bei der „Zivilpolizei“ aber er würde ebenfalls sein Bestes versuchen. Uff. Eine Stunde später noch immer keine Antwort von der Polizei aus Agadir, auch ist das Zollproblem noch nicht gelöst. Mein Begleiter wird nervös, ich auch. Der Herr Polizeichef bleib gelassen und ruft nun die nächsthöhere Stelle in Agadir an. Ich teile ihm mit, dass die zuständigen Beamten während Ramadan selbst nur bis 13 Uhr arbeiten. Daraufhin lacht er und sagt, auch die Polizei in Agadir würde 24h arbeiten. Um 22 Uhr kommt endlich eine vage Zusage!!! Noch 1h für die Fähre. Bis zur Zollstelle sind es 5km zu fahren, anschließend zum Ablegehafen der Fähre erneut 7km. Die Ablösung des Polizeichefs kommt pünktlich um 22 Uhr, doch er erklärt sich bereit auch nach Feierabend noch unseren Fall abzuklären. 22:20 Uhr und die erhoffte Bestätigung aus Agadir ist immer noch nicht eingetroffen. Mein Begleiter gibt auf und sucht bereits die nächste Fährverbindung nach Italien. Ich kämpfe weiter und dränge endlich zum Zoll zu fahren. Der Polizeichef würde lieber noch die Bestätigung aus Agadir abwarten, denn Zollpapiere ohne meine Visaverlängerung würden nichts bringen. Schlussendlich ist er aber sogar bereit sich in mein TWIKE  zu setzen und zum Zoll zu fahren. 22:50. Die Fähre fährt in 10 Minuten ab. Er ruft den zuständigen Polizisten ab um die Fähre noch weitere 10 Minuten aufzuhalten. Die offizielle Bestätigung ist nun aus Agadir eingetroffen. Aber wie schaffen wir 7km mit dem TWIKE in 20 Minuten plus erforderliche Zolldokumente? Ich hoffe auf ein Wunder, in Marokko ist manchmal so einiges möglich!!! Ich traue meinen Augen nicht, der Zoll arbeitet!!!! Eine Schlange vorm Schalter, wir stellen uns an. Dann müssen die Fahrzeuge vorgeführt werden. Anschließend müssen  Dokumente kopiert werden, von uns. Der Kopierer befindet sich 200m weiter. Erneute Schlange. In der Zwischenzeit ist es 23:10. Der Polizist an der Fähre wird erneut angerufen, er solle die Fähre noch weitere 10 Minuten aufhalten. Aber ich schaffe doch keine 7km mit dem TWIKE in 10 Minuten….grrrr. Die Dokumente werden kopiert, nun schnell zurück zum Sachbearbeiter. Schlange!!! Grrr. Dann fehlte noch ein weiteres kopiertes Dokument. Also zurück zum Kopierer. 23:30. Unglaublich wie ich das alles gerade aushalte. Spannung pur. Endlich haben wir alle Dokumente. Schnell ins TWIKE und bereits am 1. Kreisel im Hafengelände werden wir angehalten und nach den Papieren gefragt. Erst als die Polizeibeamten Ihren Chef erkennen dürfen wir ohne größeres Prozedere weiterfahren. Das ganze wiederholt sich dann noch mehrere Male. Um 23:45 erreichen wir den Zielhafen und vor uns ist gerade die Fähre abgefahren, bereits 3m vom Ufer entfernt. Ich fühle mich wie in einem schlechten Film. Wir haben alles erreicht und dann diese Abschlussszene.

Schade, ich habe innerlich auf ein Happy End gehofft. Dann kommt ein Hafenarbeiter und klärt uns auf, dass das nicht die Fähre nach Italien wäre. Was???? Ok, das Rennen geht weiter. Mein Begleiter nimmt, warum auch immer, zuerst die Fahrt auf und fährt willkürlich an den nächsten Kreisel und dort rechts ab. FALSCHER Weg. Der Polizeichef fängt nun auch an zu schwitzen. Ich bestehe darauf, dass wir erst zur Fähre fahren. Ungern möchte ich miterleben, dass die richtige Fähre direkt vor uns aufbricht. Kurze Uneinigkeit. Es wäre wohl noch ein Stück zu fahren und das 2. TWIKE wäre im Hafen verloren. Ok, er steigt aus und versucht das 2. TWIKE zu Fuss einzuholen und ich drehe um, um zur richtigen Fähre zu fahren. Kurze Zeit später sehe ich das 2. TWIKE mir entgegenkommen, ebenfalls auf Suche nach mir. Nun fehlt aber der Polizeichef. 24 Uhr. Doch da kommt auch schon der Polizeichef angerannt und in mein TWIKE gesprungen. Mit Tempo 80 geht es bei erlaubten 40km/h nun zum richtigen Kai und siehe da, die Fähre steht noch da!!! UNGLAUBLICH.

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Versteckte Kamera? Nein, real!!! Es ist in der Tat schwierig, das Erlebte hier in „wenigen“ Sätzen wiederzugeben. Wir als auch der Polizeichef werden diese Szenen noch sehr lange in uns behalten. Der Polizeichef hat mir auch schon einen Ehrenplatz für das gefaxte Dokument aus Agadir an seinem Schreibtisch versprochen…

 

 

 

 

 

 

 

 

 

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Ein Kommentar

  1. francois.loeb@bluewin.ch

     /  9. Juli 2016

    MERCI! Super Bericht! Man lebt richtig mit! Du solltest Journalistin werden! À bientôt! Amitiés François

    Antwort

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